Ohren auf und los!

Liebe Eltern!

Heute haben wir ein Förderspiel zur phonologischen Bewusstheit vorbereitet. Diese ist von entscheidender Bedeutung beim Lesen- und Schreibenlernen in der Schule – und schon weit davor im Kindergarten können wir den Grundstein dafür legen!

Bevor Kinder überhaupt Lesen und Schreiben lernen, müssen sie durch Hören erkennen können, dass sich Sprache aus einzelnen Lauten (den sogenannten Phonemen) zusammensetzt. Kinder üben das ganz spielerisch beim Silbenklatschen und beim Reimen oder mit selbst erfundener Fantasiesprache!
Bei der phonologischen Bewusstheit im engeren Sinne geht es ums Detail. Jetzt müssen Anlaute erkannt, aus Lauten ein Wort gebildet oder ein Wort in seine Laute zerlegt werden. Das können einzelne Buchstaben sein, wie a, o oder s, aber auch mehrere, die zu einem Laut verschmelzen, wie au, ei oder sch. Diese Details werden meistens erst in der Volksschule konsequent geübt, wenn es um das Lesen- und Schreibenlernen geht. Aber auch schon Kindergartenkinder können mit ein bisschen Übung einzelne Laute in Wörtern heraushören 

Heute beginnen wir einmal mit den Anlauten („Was hörst du am Anfang des Wortes?“).
Wir starten mit 3 verschiedenen Anlauten, nämlich K, S und SCH.
Sie brauchen:
3 verschiedene Behälter mit den passenden Anlauten: eine Kiste, einen Sack und eine Schachtel.

… und verschiedenste Gegenstände, die Sie daheim haben und die sich zum Einsortieren in unsere 3 Behältnisse eignen.
Hier finden Sie ein paar Beispiele:

Klopapier, Kamm, Kerze, Kaffeekapsel, Kette, Klammer, Korken
Sonnenbrille, Suppe, Sanduhr, Socken, Sieb, Seifenblasen, Sandspielzeug (hier nur ein ein Bild davon – es müssen nicht immer die Gegenstände sein, Bilder eignen sich genauso gut!)
Schokolade, Schwamm, Schaf, Schlüssel, Schuh, Schüssel, Schneebesen

Nun kann es losgehen: Sie schauen sich am Besten gemeinsam mit Ihrem Kind alle Gegenstände an und benennen sie passend zu unseren ausgewählten Anlauten (z.B. könnte man zum Klebeband auch Tixo sagen – dann würde es phonemisch aber in keinen unserer 3 Behälter passen, also muss es für dieses Spiel „Klebeband“ heißen… 😉).
Dann werden alle Gegenstände vermischt, gut sichtbar aufgelegt und das Sortieren kann beginnen: Ihr Kind darf einen Gegenstand aussuchen, ihn benennen und ganz genau hinhören, welchen Laut es am Anfang erkennt. Ist es ein „K“, dann kommt das Ding in die Kiste! Und so wird weiter sortiert:
alles mit „S“ am Anfang gehört natürlich in den Sack und die
„SCH“-Gegenstände“ in die Schachtel!

Achtung:
Es geht um den allerersten Laut, den wir hören – dieser muss auch isoliert so ausgesprochen werden: die „KETTE“ beginnt nicht mit einem „KA“, so wie wir Erwachsenen das Buchstabieren gewohnt sind, sondern mit einem „K“. Und am Anfang von „SONNE“ steht kein „ES“, sondern tatsächlich nur der Zischlaut „S“!

Das war zu einfach? Erweitern Sie das Spiel mit noch mehr Behältern und Gegenständen, z.B. mit einer Dose, einem Rucksack, einer Tasche, einem Beutel,… und den passenden Dingen dazu. Statt der Kiste würde sich auch ein Koffer eignen. Da hat Ihr Kind sicherlich schon eine Nuss zu knacken, wenn es die passenden Gegenstände zusammensuchen muss!
Sie können natürlich auch Bilder aus Werbeprospekten zum Spielen verwenden: Lebensmittel, Spielwaren, etc … – so bekommen die Kinder gleich eine feinmotorische Übung dazu, wenn sie die Bilder selber aus dem Prospekt ausschneiden dürfen!

Falls die 3 Behälter für die Jüngsten zu viel sind und das Spiel zu schwierig erscheint, wählen Sie für den Anfang einfach nur 2 Laute aus und erweitern Sie später bei Bedarf.

So könnte auch eine Spielvariante aussehen: Sie geben Ihrem Kind nur einen Behälter, z.B. einen Rucksack und schicken es auf Schatzsuche ins Kinderzimmer: es darf nur Dinge einpacken, die mit „R“ beginnen (Ritter, Radiergummi, …)! Wenn es von der Abenteuerreise zurückgekehrt ist, darf es Ihnen die gefundenen Schätze zeigen und davon erzählen. Sicher kann über das ein oder andere Ding auch diskutiert werden: gilt z.B. auch der Tyrannosaurus Rex, weil der zweite Wortteil „Rex“ mit „R“ beginnt?

Vielleicht waren Sie vor den Corona-Maßnahmen mit Ihrem Kind mitten in einer logopädischen Therapie, die nun pausieren muss, und Sie suchen neue Spielideen zum Üben ganz bestimmter Laute?
Auch dafür eignet sich unser Spiel: Sie suchen einfach nur Dinge aus, die den Laut, der geübt werden soll, enthalten. Entweder am Anfang, oder auch in der Mitte oder am Ende des Wortes!

Sie können ganz klassisch spielen wie oben beschrieben, und zu jedem Gegenstand wird ein ganzer Satz gebildet (z.B.: „Ich lege die Kugel in die Kiste“).

Oder die Mitspieler dürfen abwechselnd laut einen Gegenstand ausrufen. Wer ihn sich zuerst schnappt, benennt ihn nochmals deutlich (z.B. „Ich habe die Taschenlampe geschnappt“) und darf ihn behalten.
Noch lustiger wird diese Variante mit 2 Fliegenklatschen, mit denen die Mitspieler auf den gesuchten Gegenstand oder das Bild patschen dürfen! 😊

Ein Tipp zum Schluss:
die Rechtschreibregeln sind hier noch gar nicht relevant, es geht allein darum, welchen Laut man hört! So darf z.B eine Tube Creme in die K-Kiste, weil man ein K hört, auch wenn man Creme mit C schreibt!
Aufpassen müssen wir Erwachsenen auch mit SP- und ST-Verbindungen: Kinder achten nicht auf die Rechtschreibung, sondern auf das, was sie hören nämlich fast immer ein SCH, also gehören folgende Dinge beim Anlaut-Hörspiel in die SCHachtel.

Achtung bei Spiegel, Spitzer, Stecker, Stern, Spielfigur ,… – wir hören ein SCH am Anfang!

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